Liebe Leser,

der Verfasser wohnt am östlichen Rand der Landeshauptstadt in einer Gegend, in der sich die Honigbiene seit jeher wohlgefühlt hat. Bis seine Heimatgemeinde beschloss, den wunderschönen Haarer „Jugendstilpark“ aufzulassen. Aus dem von Blühwiesen, Obstbaumkulturen und mehr als hundert Jahre alten Buchen, Ahornen, Kastanien und Birken geprägten, ehemaligen Klinikgelände des Bezirks Oberbayern entsteht nun ein Wohngebiet für mehr als 4000 Neubürger – ein Verhau aus riesigen, ins ehemalige Grün gewürfelten Betonklötzen. Aus ist’s mit den Hasen und den Igeln auf dem Gelände; die Spechte, die Käuzchen und die Rotkehlchen, die Finken, die Gimpel, die Turteltauben und der Eichelhäher sind weg. Und die Bienen, die natürlich auch. Auf Beton blüht nichts.
Aber keine Sorge: Die Rettung naht! 26,18 Prozent der wahlberechtigten Haarer Bürger haben sich tapfer einen Weg durch das Chaos ihrer Riesenbaustelle bis ins Rathaus gebahnt und dort unterschrieben, wie ernst sie’s doch mit dem Artenschutz nähmen: Die Bauern sollen’s richten! Weg von der Ökonomie, hin zur Ökologie! Für die „Aktivisten“, wie man jene unter den Städtern zu nennen pflegt, die zwar nichts tun, aber immer genau wissen, wie’s geht, ist das nur ein Schnalzen mit der Zunge. Und schon kommt ein Gesetz, das dem Landwirt sagt, was er demnächst zu tun und zu lassen hat. Geht doch, oder?
Wenn das mit dem Zungenschnalzen und dem Fingerschnippen nicht so recht funktioniert, haben die „Aktivisten“ aber noch ein ganz anderes Instrument parat: Die Keule! Bisher hatten sie nur die Nazi-, die Missbrauchs-, die Rassismus- und die Öko-Keule zur Hand, wenn es darum ging, missliebige Argumente totzuschlagen. Jetzt ist noch ein neues Werkzeug hinzugekommen, eine Allzweckwaffe, die immer, überall und gegen jeden einsetzbar ist: die Klima-Keule!
Wir haben nicht mehr nur spezifische Fingerabdrücke, sondern auch einen ökologischen Fußabdruck, der uns identifiziert. Mit dem würden wir, so sagt man uns neuerdings, geboren wie mit der Erbsünde, der niemand entgehen könnte. Je weniger solche Fußabdrücke wir während unseres Lebens hinterließen, desto eher kämen wir am Ende an unser Ziel. Von überall her tauchen plötzlich Propheten auf, die uns predigen, nicht das Reich Gottes und das ewige Leben nach unserem leiblichen Tod sei erstrebenswert, sondern das Erreichen eines „Klimaziels“. Um dorthin zu kommen, müsse jeder die Luft anhalten, vegan essen, vegan denken und, vor allem, möglichst wenig tun. Freitags bräuchten unsere Kinder nicht mehr zur Schule zu gehen, um zu lernen, sondern sie dürften nach München und nach Berlin reisen, um ihrem Idol zu huldigen: Greta Thunberg! Gegen das drollige Mädchen, das so ernsthaft die eingelernten Sprücherln aufsagt und die „Aktivisten“ damit hinter sich schart, hat unsere Staatsregierung kaum eine Chance. Greta for President! Dann wird alles gut! Oder doch nicht?
Nichts gegen Dich, Greta, und nichts gegen die Idee, so zu leben, dass jeder Mensch bis an sein Lebensende Teil eines großen Ganzen bleibt. Aber sei so gut und sag den „Aktivisten“, die hinter Dir stehen, dass wir mit ihren wohlfeilen Sprüchen nichts anfangen können, schon gar nichts mit ihrem Peitschengeknall. Wir lassen uns von denen nicht einspannen. Und wir müssen uns von niemandem ein schlechtes Gewissen einreden lassen. Von gar niemandem!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Dr. Peter Wißmath